Usher – You Make Me Wanna…

My Way ist nicht nur der Titel des lang erwarteten Nachfolgealbums von LaFace Records aufsehenerregender Teen-Sensation Usher, sondern steht gleichzeitig auch als Motto dafür, wie der 18jährige Sänger den Prozeß des Erwachsenwerdens, seine Karriere und seine Rückkehr in die Musikszene, die gleichsam wie eine Bombe einschlug, verarbeitet. 1994 erschien Ushers Debutalbum gleichen Namens, das vom Publikum mit Begeisterung aufgenommen wurde. Jung oder alt, weiblich oder männlich – ausnahmslos jeder war sofort fasziniert von Ushers ausdrucksstarker Stimme, seinem gewinnenden Lächeln und seinem sympathischen, jungenhaften Gesicht. Die Reaktion auf die elektrisierende, mitreißende Bühnenshow dieses Jungen aus Chatanooga, Tennessee, war überwältigend. Aus diesem Debutalbum (Co-Producer Sean „Puffy“ Combs von Bad Boy Entertainment) wurde auch die erste Hitsingle ausgekoppelt, mit der Usher sich der Welt vorstellte: Think Of You, produziert von Label-Partner Donell Jones, eroberte die Top Ten und erreichte Goldstatus.

Und dieses Mal will Usher auch das geringste Risiko ausschließen. Jeder der neun melodischen Tracks auf dem neuen Album trägt unverkennbar seinen persönlichen kreativen Stempel. Die Kombination von Ushers gereifter Stimme und seinem gewausherchsenen Selbstbewußtsein, ohne daß er dabei auch nur ein Jota an jugendlicher Frische verloren hätte, kommt als charakteristisches Markenzeichen von Ushers lebenssprühender Persönlichkeit in seiner Musik zum Ausdruck. „Ich wollte, daß die Leute Usher dieses Mal wirklich kennenlernen“, erklärt er. „Also waren Jermaine und ich eine ganze Zeitlang ständig zusammen, damit er einen entsprechenden Einblick in mein Leben bekommen konnte“, sagt er über den Producer der Superlative Jermaine Dupri (So So Def Records), der bei diesem Album als Co-Executive Producer verantwortlich zeichnet. „Was wir dann geschrieben und aufgenommen haben, stammt letztendlich alles direkt aus meinem Leben. Es sind Dinge, die ich durchgemacht und erlebt habe – wie es ist, wenn man die Teenagerzeit hinter sich läßt und erwachsen wird. In diesen Songs beschreibe ich meine Gefühle.“ Die beiden Präsidenten von LaFace Records, Antonio „L.A.“ Reid und Kenny „Babyface“ Edmonds, die als Co-Producer bei dem Album mitgewirkt haben, brachten den Hitmacher aus Atlanta mit Usher zusammen und halfen bei der Richtungswahl für das Comeback.

„Die Zeit ist genau richtig für Usher“, sagt Dupri, der sieben der neuen Tracks produziert hat. „Usher ist älter und reifer geworden und bereit, die nächste Stufe zu erklimmen.“
Daran kann keiner zweifeln, der die erste Single aus dem Album, You Make Me Wanna…, hört. Bei dem von Dupri produzierten Track, unterlegt mit wuchtigen Baßtönen und markanten Gitarreneinlagen, wird es niemanden ruhig im Sessel halten. Einmal mehr beweist Usher sein überragendes Gesangstalent mit einer Stimme, die mühelos und kraftvoll durch alle Tonlagen gleitet. You Make Me Wanna… hat die Qualitäten, um zu einem der meistgespielten Songs des Sommers zu werden. Zudem ist dieser Song der perfekte Weg, um den charismatischen Star erneut einer weltweiten Zuhörergemeinde zu präsentieren.

Zu der Produktion von My Way hat Usher wesentlich mehr beigetragen als nur seine Meinung geäußert. Bei sechs der neun Tracks hat er zusammen mit Dupri die Texte geschrieben, unter anderem auch für You Make Me Wanna… „Ich möchte den Leuten verdeutlichen, daß ich mich seit meinem letzten Album einen gewaltigen Schritt weiterentwickelt habe. Und Texte schreiben gehört mit zu diesem Prozeß, den ich durchlaufen habe“, sagt Usher. „Ich wollte dieses Projekt unkompliziert halten, wollte mit einer geringeren Anzahl von Produzenten arbeiten, mit Leuten, die mir dabei helfen konnten, meine Erfahrungen auszudrücken.“

Wer wäre besser dafür geeignet als drei der erlesensten heutigen Producer – Babyface, Teddy Riley und Dupri? Babyface steuert mit sicherer Hand zwei wunderschöne Balladen zu My Way bei, die Ushers romantische Seite beeindruckend belegen. Wenn Usher, unterstützt von Shanice Wilson, die hier den Backgroundpart übernimmt, in dem Song Bed Time seine Liebe besingt, werden zuhörende Paare sicher nicht gleichgültig bleiben. Whenever I’m near you, my love just comes down. Whenever I see you, I just want you around. ‚Cause I want to feel you all through the day and the night. Whenever I’m near you, it feels like Bed Time. [Wann immer ich in Deiner Nähe bin, überwältigt mich die Liebe. Wann immer ich Dich sehe, will ich Dich bei mir haben. Denn ich will Dich spüren, jeden Tag und jede Nacht. Wann immer ich in Deiner Nähe bin, meine ich, daß es Zeit ist, zu Bett zu gehen.] Mit Midnight Starrs Slow Jam hat Babyface dem Album auch einen Klassiker hinzugefügt, einer der ersten überhaupt von ihm produzierten Hits. Mit einer gelungenen Überleitung und der stimmlichen Unterstützung von Arista-Künstlerin Monica, die Ushers energiegeladenen Gesang begleitet, hat Babyface hier praktisch einen neuen Hit kreiert.

Riley (Blackstreet, Guy) hat dieser ausgewogenen Mischung aus gefühlvollen, langsamen Songs und funky Partytracks ebenfalls eine Ballade beigefügt – I Will. „Das Album sollte wirklich halb und halb sein“, kommentiert Usher. „Ich wollte von jedem etwas, damit es, je nach Stimmungslage, immer einen Song gibt, den man sich anhören will.“

Die anderen sechs Tracks gehen auf das Konto von Dupri, der eine Menge Zeit investiert hat um sicherzustellen, daß auf Ushers Album eine ganze Serie von Hits enthalten ist. Darunter sind die sexy Ballade Nice and Slow, der Midtempo-Groove One Day You’ll Be Mine, der den Song „Footsteps“ von den Isley Brothers samplet, und Come Back, ein dynamischer Dancetrack, verbrämt mit Jermaine Dupris klassischen Raps. Lil‘ Kim schließlich, die Queen Bee, verleiht dem Baß-geladenen Midtempo-Track Just Like Me mit ihrer gewagten Stimme die richtige Würze.

In der Zeit, in der Usher seinen High School-Abschluß machte und die Arbeit an seinem zweiten Album beendete, perfektionierte er auch ein weiteres seiner vielen Talente: seine Showdarbietung. „Ich liebe es, auf der Bühne zu stehen, zu tanzen, den Leuten alles zu geben. Die Bühne ist meine große Liebe.“ Während Usher dies sagt, glänzen seine Augen vor Begeisterung. Daß diese Aussage der Wahrheit entspricht, kann man sehen und spüren. Antonio „L.A.“ Reid beschreibt Usher als den „ultimativen Entertainer“, was er letztendlich erklärt mit „einer großartigen Stimme, gutem Aussehen und einer charismatischen Starpräsenz“. Reid bezeichnet ihn als den „King of HipHop Soul“ und fährt fort: „Seit Jahren hat es keinen Künstler mehr gegeben, der eine solche Begeisterung beim Publikum weckt. Usher trägt einen enormen Teil zur städtischen Kulturszene bei.“
Das gilt sowohl innerhalb wie auch außerhalb des Konzertsaals. Usher ist sich der Verantwortung bewußt, die man trägt, wenn man im Licht der Öffentlichkeit steht. Für ihn ist es sehr wichtig, daß er der amerikanischen Jugend ein gutes Beispiel gibt. So wirkt er bei verschiedenen öffentlichen Vereinigungen mit und hat unter anderem auch den Posten des nationalen Sprechers für die Kampagne „Get Big On Safety“ des amerikanischen Verkehrsministeriums inne. Usher nahm an dem „NBA Stay in School“-Programm teil und trat bei mehreren vom Verband organisierten Studententreffen auf, wobei er nachdrücklich auf den Wert einer abgeschlossenen Ausbildung hinwies. Ebenso trat er bei der NBC „Inside Stuff“-Show auf.

Ushers besonnene Lebenseinstellung und sein Verantwortungsbewußtsein rühren vor allem von gefestigten familiären Grundwerten und einem starken Eingebundensein in das kirchliche Gemeindeleben her. Zusammen mit seiner Mutter, die ihn auch managed, und seinem jüngeren Bruder zog der damals 12jährige Usher von Tennessee nach Atlanta. Usher trat in den Kirchenchor ein, dessen Leitung – wie hätte es anders sein können? – von seiner Mutter übernommen wurde. „Ich habe erfahren müssen, daß das Musikbusiness sehr hohe Anforderungen stellt und sehr streßig ist, aber meine Mutter war eine gute Lehrmeisterin. Ihr habe ich es zu verdanken, daß ich mit beiden Beinen auf der Erde bleibe.“ In Atlanta nahm Usher dann auch an verschiedenen Talentwettbewerben teil, wo er einem Repräsentanten von LaFace Records auffiel und zum Vorsingen bei L.A. Reid eingeladen wurde. Kurze Zeit später unterzeichnete Usher den Vertrag mit dem Label und begann mit den Aufnahmen für sein Debutalbum.

Außer auf den beiden Alben ist Ushers Stimme auch bei verschiedenen anderen Projekten zu hören. 1995 trat Coca Cola, USA, an ihn mit der Bitte heran, ein Jingle für die Feriensaison aufzunehmen. Mit namhaften männlichen Künstlern der Branche schloß er sich zu „Black Men United“ zusammen, um den Song You Will Know aufzunehmen, der prompt vergoldet wurde und auf dem Soundtrack zu „Jason’s Lyric“ zu hören ist. Die Single Dreamin‘ war die erste Auskopplung des 1996 veröffentlichten LaFace-Olympia-Albums Rhythm Of The Games, und zusammen mit Arista-Künstlerin Monica nahm er ein Remake des Hits Let’s Straighten It Out auf, ein Duett für Monicas Debutalbum, das inzwischen Platinumstatus erreicht hat. Zudem trat Usher in mehreren TV-Shows auf, unter anderem auch in der Oprah Winfrey Show und bei den „American Music Awards“.

My Way ist eine weitere Stufe auf der Karriereleiter, die Usher unaufhaltsam nach oben klettert. „Das ist erst der Anfang“, sagt der junge Star enthusiastisch, „schließlich bin ich erst achtzehn. Ich weiß, daß ich schon sehr viel erreicht habe, aber mein ganzes Leben liegt noch vor mir, und es gibt noch so viel zu tun. Ich lerne verschiedene Instrumente spielen, ich will die Schauspielerei ausloten… Ich habe noch sehr viel vor.“

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